Offener Brief an den Bundesminister des Innern Herrn Alexander Dobrindt
Offener Brief an den Bundesminister des Innern Herrn Alexander Dobrindt
Einschränkungen bei den Integrationskursen – Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts
Sehr geehrter Herr Minister Dobrindt,
mit großer Sorge und Betroffenheit verfolge ich die Entscheidung Ihres Hauses, den Zugang zu den Integrationskursen massiv zu beschränken. Als Armutsbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sehe ich darin einen Schritt, der das Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts und die mühsam aufgebauten Integrationsstrukturen gefährdet.
Integrationskurse sind weit mehr als ein Verwaltungsangebot – sie sind eine Brücke in unsere Gesellschaft.
Sprache ist der Schlüssel zum Miteinander, zur Teilhabe und zum Verstehen. Wer sie nicht beherrscht, bleibt außen vor: auf dem Arbeitsmarkt, in der Bildung und im alltäglichen Leben. Der faktische Ausschluss von über 130.000 Menschen durch die neuen Zulassungsbeschränkungen führt unweigerlich zu Isolation statt Integration.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie entscheidend Sprache für Verständigung und Respekt ist. Während meiner sechsjährigen Tätigkeit in Kosovo/Albanien, insbesondere in der Hauptstadt Tirana, wurde mir täglich bewusst, dass ohne Kenntnisse der Landessprache vieles fremd bleibt – und Menschen sich im wörtlichen und übertragenen Sinn nicht verstehen.
Auch als ehemaliger Leiter der größten Berliner Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf im Jahr 2015 habe ich erlebt: Integration beginnt am ersten Tag – und sie beginnt mit der Sprache.
Deutschland hat in den vergangenen Jahren ein starkes Signal von Humanität und Verantwortung gesendet. Diese Haltung dürfen wir jetzt nicht zugunsten kurzfristiger Haushaltseinsparungen aufgeben. Ein Rückzug aus der Sprachförderung wäre nicht nur ein politischer, sondern auch ein menschlicher und ökonomischer Rückschritt.
Ich bitte Sie daher eindringlich, diese Entscheidung zu überdenken.
Die Sicherstellung der Integrationskurse ist kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in unser gemeinsames Miteinander – in Verständigung, Frieden und Menschlichkeit.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas de Vachroi
Armutsbeauftragter der Evangelischen Kirche
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
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