Die Renaissance – eine traurige Rückbesinnung!

Die Renaissance – eine traurige Rückbesinnung!
Wir sagen es immer wieder: „Früher war alles besser.“ Heute müssen wir wohl feststellen: „Es war zwar nicht alles besser, aber es fühlte sich menschlicher, wärmer, vielleicht hoffnungsvoller an als heute.“
Könnte es sein, dass wir – fünfhundert Jahre nach der eigentlichen Renaissance – erneut an einem Wendepunkt stehen?
Dass wir heute eine Renaissance der Renaissance erleben? Wir versuchen, die letzten Spuren vergangener Bausubstanz zu bewahren, alte Geschichten wieder unter die Menschen zu bringen. Kriminalromane aus dem Mittelalter boomen ebenso wie Mittelaltermärkte oder Ritterfeste. All das hat seinen Grund.
Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit. Alte gesellschaftliche Formen lösen sich auf, Zukunftsängste greifen um sich. Unser Gefühl von Sicherheit, von Halt, scheint zu verschwinden. Die Welt ist unübersichtlich geworden – ökonomisch, politisch und emotional. Wir merken: Die technische und digitale Revolution entgleitet uns. Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, geopolitische Konflikte und Energiekrisen – sie eröffnen Chancen, aber auch Abgründe, die wir noch vor wenigen Jahrzehnten unvorstellbar fanden.
„Je lauter die Welt von Freiheit spricht, desto leiser wird oft die Frage nach Verantwortung.“
Menschen reisen heute in den Orbit, der Mars wird greifbar. Gleichzeitig schrumpft unsere Erde, geschüttelt von Kriegen, Naturzerstörung und sozialer Kälte, zu einem winzigen und verletzlichen Punkt im Universum. Und wir suchen das Gestern – seine Geborgenheit, seine Menschlichkeit.
Doch im globalen und politischen Wandel haben wir das Denken für andere verloren. Egoismus, Intoleranz, Neid und zunehmende Armut sind zu ständigen Begleitern geworden. Wir fragen uns kaum noch, warum „alles anders“ ist, sondern funktionieren nur noch – im Wissen, dass wir unseren eigenen Untergang längst in Gang gesetzt haben.
„Fortschritt ohne Gewissen ist nur der schönere Name für Untergang.“
Klimawandel, Kriege, Migrationsbewegungen, neue Pandemien, entfesselte Technologien – vieles davon wurde uns schon vor Jahrzehnten in Science-Fiction-Filmen gezeigt. Doch das, was der Mensch heute erschafft, übertrifft jede Dystopie. Wir verlieren unser Ich – und damit unsere Menschlichkeit.
Dabei gilt weiterhin: Nur wer weiß, woher er kommt, kann wissen, wohin er geht.
Tragisch ist nur, dass dieser Satz heute oft von jenen gebraucht wird, die sich der Verantwortung vor Geschichte, Gegenwart und Zukunft entziehen. Die bedenkenlos Prozesse anstoßen, die nur schwer oder gar nicht mehr zu stoppen sind – sei es in der Gentechnik, in der Atompolitik oder im grenzenlosen Datenhunger moderner Technologien.
Früher sagte man uns als Kindern: „Es gibt keinen Teufel.“
Ein Trugschluss. Der Teufel existiert – nicht als Gestalt mit Hörnern, sondern als zerstörerische Energie in den Dingen, die wir selbst erschaffen. Schon Einstein warnte davor: Wer die Energie des Atoms oder der Maschine missversteht, steht mit dem Teufel im Bunde.
Der jahrhundertealte Generationenvertrag wankt. Wir fragen uns heute dringlicher denn je: Wann genau begann all das?
Vielleicht werden wir die Antwort bald finden. Doch entscheidend wird sein, ob wir dann auch endlich die richtigen Konsequenzen ziehen.
©Thomas de Vachroi

