Iskandar Widjaja verbindet in Berlin musikalische Virtuosität mit gelebter Menschlichkeit

Iskandar Widjaja verbindet in Berlin musikalische Virtuosität mit gelebter Menschlichkeit – sein Auftritt in der Philharmonie Berlin wurde zum glänzenden Konzertabend und zugleich zu einem leisen Plädoyer für Solidarität.
Ein Abend wie ein Versprechen
Er ist auf den großen Bühnen der Welt zu Hause, wird als „Rockstar-Geiger“ beschrieben und trägt eine Stradivari von unschätzbarem Wert unter dem Kinn – doch in der Berliner Philharmonie zeigte Iskandar Widjaja vor allem, wie innig Musik und Menschlichkeit zusammengehören. Sein Konzert zum Valentinstag war weit mehr als ein romantisches Programm: Es war eine Einladung, Schönheit nicht als Luxus, sondern als Lebensatem zu begreifen.
Vom ersten Ton an nahm Widjaja den Kammermusiksaal mit seinem elektrisierenden Charisma und einem Ton gefangen, der zwischen Dringlichkeit und Zartheit oszillierte. Die Geige schien mit seinem Körper eins zu werden, jede Bewegung, jeder Strich atmete rhythmische Freiheit und zugleich vollkommene Kontrolle
Meisterschaft auf der Bühne
Begleitet von fünf exzellenten Musikerinnen spannte Widjaja einen Bogen durch die Welt der Klassik – von barocken Klangbildern bis hin zu modern arrangierten Stücken, die die Grenzen zwischen E- und U-Musik bewusst verwischten. Seine wohldosierten Gesangseinlagen öffneten zusätzliche Farbräume, in denen das Publikum nicht nur hörte, sondern beinahe körperlich spürte, was es heißt, Musik zu erzählen statt nur zu interpretieren.
Die Reaktion des Publikums war dementsprechend überwältigend: stehende Ovationen, Jubelrufe, ein Saal, der sich nicht trennen wollte von diesem Abend. Widjaja spielte nicht nur technisch brillant, er inszenierte den Abend als ein Fest der Freude am Spiel – mit Humor, Charme und einer Nähe, die selbst in der großen Philharmonie intime Momente zuließ.
Der Künstler als Anwalt für Menschen in Not
Doch der Glanz dieses Abends endete nicht an der Bühnenkante. Im anschließenden Gespräch richtete Widjaja den Blick bewusst auf Menschen, denen es nicht so gut geht – auf diejenigen, für die ein Ticket in der Philharmonie unerreichbarer Luxus bleibt. In diesem Moment zeigte sich, dass sein Verständnis von Kunst untrennbar mit Verantwortung verbunden ist.
„Einen großen Künstler erkennt man nicht an der Bühne, auf der er steht, sondern an den Menschen, zu denen er sich hinunterbeugt.“
Mit ruhigen Worten kündigte er an, Teil von One For GOOD zu sein – einer Bewegung, die zeigt, wie aus kleinen Beiträgen große Wirkung entsteht: nicht laut, nicht mit großen Gesten, sondern ehrlich und konkret. Unter der Leitung von Gründer Regino Harwich verbindet One For GOOD Menschen weltweit, die mit nur einem Euro im Monat lokale, regionale und globale Projekte für Menschlichkeit und Nachhaltigkeit unterstützen. So wird aus einer Idee ein Netzwerk gelebter Solidarität.
Armut eine Stimme geben.
Ein bewegender Moment dieses Abends war die Begegnung mit Thomas de Vachroi, dem Armutsbeauftragten der Evangelischer Kirchenkreis Neukölln und EKBO – Evangelisch im Osten, der Widjaja ein T-Shirt der bundesweiten Kampagne „Armut eine Stimme geben“ überreichte. In dieser schlichten Geste verdichtete sich, wofür beide stehen: Kunst, Kirche und Zivilgesellschaft als Bündnispartner für Menschen, deren Stimmen im Alltag zu oft ungehört bleiben.
Bereits am 26. Dezember 2025 hatte Widjaja bei der Weihnachtsfeier der Tee- und Wärmestube Neukölln in der Genezarethkirche Neukölln für Menschen in Not gespielt. Fast 150 Gäste, viele von Armut oder Obdachlosigkeit betroffen, lauschten seinem Spiel – ohne Dresscode, ohne Eintritt, aber mit umso größerer Dankbarkeit. Er selbst betonte, dass es ihm ein Bedürfnis und eine Freude sei, für Menschen zu spielen, die sich ein reguläres Konzert nicht leisten können.
„Wer für die spielt, die sich keine Eintrittskarte leisten können, öffnet nicht nur Türen, sondern Würde.“
Musik, die bleibt
So zeichnet sich ein Bild von Iskandar Widjaja, das über die üblichen Lobeshymnen hinausreicht. Er ist einer der besten Geiger Deutschlands, ein international gefeierter Künstler – und zugleich ein Mensch, der seine Kunst dorthin trägt, wo sie selten ankommt: zu den Rändern der Gesellschaft.
Sein Auftritt in der Berliner Philharmonie war damit mehr als ein glänzendes Konzertereignis. Er war ein Versprechen: Dass Schönheit nicht exklusiv sein muss. Dass ein Euro im Monat Leben verändern kann. Und dass ein Geiger mit einer Stradivari in der Hand zuallererst eines bleibt – ein Mitmensch, der zuhört, bevor er spielt.
©Thomas de Vachroi
Iskandar Widjaja – Ode to Joy- Melodies for Valentine’s






