Obdachlosigkeit ist kein Randphänomen
Obdachlosigkeit ist kein Randphänomen, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung. Sie betrifft nicht nur diejenigen, die sichtbar auf der Straße leben, sondern auch Menschen, die in Notunterkünften, Übergangswohnheimen oder bei Bekannten „auf dem Sofa“ unterkommen und offiziell oft gar nicht erscheinen.
Damit ist Obdachlosigkeit ein Spiegel für soziale Ungleichheit, Wohnungsmarktkrisen und das Versagen von Sicherungsnetzen.
Wer von einem Randphänomen spricht, übersieht, dass hinter jedem Schicksal konkrete Ursachen stehen: zu wenig bezahlbarer Wohnraum, prekäre Arbeitsverhältnisse, Erkrankungen, Trennungen, Bürokratiehürden und häufig auch beschämende Erfahrungen mit Behörden oder der Gesellschaft. Viele Betroffene haben lange Zeit gearbeitet, Miete gezahlt und mitten im Leben gestanden, bevor eine Kette von Krisen sie aus der Bahn geworfen hat.
Gesellschaftliche Herausforderung heißt: Es geht um politische Verantwortung, um kommunale Strategien und um unser gemeinsames Menschenbild. Notwendig sind eine konsequente Förderung von sozialem Wohnungsbau, der Ausbau von Housing-First-Ansätzen, niedrigschwellige Beratungs- und Hilfsangebote, die Menschen früh auffangen, bevor sie ihre Wohnung verlieren, sowie ausreichende Mittel für freie Träger, die diese Hilfen konkret umsetzen. Gleichzeitig braucht es eine Verwaltung, die weniger abschreckt und mehr unterstützt – mit klaren Ansprechpartnern, verständlicher Sprache und echter Hilfe statt bloßer Verweisungen.
Obdachlosigkeit stellt auch eine Herausforderung an jede und jeden Einzelnen dar. Wegsehen stabilisiert den Zustand, Hinsehen kann der erste Schritt zur Veränderung sein – sei es durch ehrenamtliches Engagement, politische Mitsprache oder Unterstützung von Initiativen, die Tag für Tag mit Betroffenen arbeiten.
Obdachlosenhilfe ist dabei kein neues Geschäftsfeld, sondern sind notwendige Ausgaben für Hilfe in Not und Ausdruck einer Stadt und Landes, die ihre verletzlichsten Menschen schützt, statt sie zu übersehen.
Sie können uns unterstützen:
Diakoniewerk Simeon gGmbH
Kennwort: Armut eine Stimme geben!
IBAN: DE90 3506 0190 0000 0300 07
BIC: GENODED1DKD
Kreditinstitut: KD-BANK (Bank für Kirche und Diakonie)
Auf Wunsch werden Spendenquittungen und Nachweise erstellt
Thomas de Vachroi


