Wenn die Glocken das Schweigen brechen

Wenn die Glocken das Schweigen brechen: Neukölln ruft die Namen der einsam Verstorbenen
„Das Aussprechen eines Namens ist die kleinste, aber mächtigste Form der Auferstehung.“ TdV
Am setzt der Bezirk Neukölln ein kraftvolles Zeichen gegen das Vergessen und für die unantastbare Würde des Menschen.
In einer Zeit, in der Anonymität oft unseren Alltag bestimmt, blickt Neukölln dorthin, wo sonst Stille herrscht. In der Philipp-Melanchthon-Kirche kommen an diesem Tag Vertreter aus Kirche, Politik und Stadtgesellschaft zusammen, um jener Bürgerinnen und Bürger zu gedenken, die im vergangenen Jahr einsam verstorben sind. Es ist eine langjährige, tief verwurzelte Tradition, die zeigt: Niemand geht ganz, solange wir uns erinnern.
Drei Minuten Innehalten
Bevor das erste Wort in der Kirche gesprochen wird, gehört der Moment dem Klang. In ganz Neukölln werden für drei Minuten die Kirchenglocken läuten. Dieses Geläut ist mehr als ein bloßes Signal; es ist eine akustische Umarmung für den gesamten Bezirk. Es unterbricht die Hektik der Großstadt und schafft einen Raum des gemeinsamen Innehaltens. Es ruft die Lebenden dazu auf, für einen Augenblick an jene zu denken, die ohne Beisein von Angehörigen aus der Welt geschieden sind.
Die „Rufenden“ geben die Würde zurück
Der Kern der Festveranstaltung ist so schlicht wie ergreifend: Das Verlesen der Namen. „Die Rufenden“ – Persönlichkeiten aus Politik und den Kirchengemeinden – geben den Verstorbenen ihre Identität zurück.
„Einsam verstorben bedeutet nicht verloren“, so der Leitgedanke der Feier.“
Indem die Namen laut ausgesprochen werden, treten die Verstorbenen aus der Schattenwelt der Aktenzeichen heraus und werden wieder als Teil der Gemeinschaft sichtbar. Begleitet wird die Zeremonie von einer besonders würdevollen musikalischen Umrahmung, die den Gästen Raum für eigene Gedanken und Gebete gibt.
Ein Fest der Gemeinschaft
Dass diese Veranstaltung seit Jahren auf so große Resonanz stößt, spricht für den Zusammenhalt in Neukölln. Zahlreiche Gäste werden erwartet, um gemeinsam Zeugnis abzulegen: Wir lassen niemanden allein – auch nicht über die Schwelle des Todes hinaus.
Thomas de Vachroi
Details zur Veranstaltung:
Datum: 18. Januar 2026
Zeit: 17.00 Uhr
Ort: Philipp-Melanchthon-Kirche, Neukölln
Besonderheit: Bezirksweites Glockenläuten vor Beginn der Namensverlesung
Armut eine Stimme geben.
Evangelischer Kirchenkreis Neukölln
EKBO – Evangelisch im Osten
Diakoniewerk Simeon
Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Bezirksamt Neukölln von Berlin
Evangelische Fürbitt-Melanchthon-Kirchengemeinde


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