Kliniken in ländlichen Gebieten müssen extrem aufpassen, dass sich resistente Keime aus der Tierhaltung nicht verbreiten.

Krankenhäuser im landwirtschaftlich geprägten Nordwesten Niedersachsens haben mit multiresistenten Keimen (MRSA), die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, schwer zu kämpfen. Das hat der Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene in Oldenburg, Jörg Herrmann, im Rahmen eines EU-Projekts in der Ems-Dollart-Region festgestellt.

Ein Grund sei, dass Tiere in der Massentierhaltung Antibiotika erhielten und dadurch die resistenten Keime entwickelten. Diese gäben sie an ihre Besitzer weiter. 86 Prozent der Landwirte sind laut Robert-Koch-Institut damit besiedelt. Die weitere Ausbreitung zu verhindern wird laut Herrmann zunehmend zum Kostenfaktor.

Bauern sind mittlerweile eine Risikogruppe

Im Nordwesten Niedersachsens habe etwa jeder fünfte multiresistente Keim seinen Ursprung in der Landwirtschaft, in Süddeutschland sei es im Vergleich dazu gerade mal ein Prozent, sagt Herrmann. Die Konsequenz für Krankenhäuser: Landwirte gehören hier zur Risikogruppe möglicher Keimträger. Der Idealfall wäre, sie vor einer Operation zu behandeln, aber dann dürften sie nicht in ihre Betriebe zurück.

Notwendige Hygienemaßnahmen sind teuer

Möglicherweise keimbesiedelte Patienten sollten im Krankenhaus nicht auf unbelastete treffen. Aber es fehlt oft an Krankenzimmern. Also müssen auch Bettnachbarn mit größter Vorsicht und Hygiene behandelt werden. Das koste Zeit und Geld, so Herrmann. Er fordert ein Umdenken: So wie beim Menschen jede unsinnige Antibiotika-Gabe vermieden werden sollte, müsse auch die Massentierhaltung mit weniger Medikamenten auskommen, damit nicht noch mehr multiresistente Keime die Krankenhaushygiene erschwerten.

red. Thomas de Vachroi 2013 (Quelle NDR.de)

Teilen mit: