Wenn Wasser zum Luxus wird – Hitzehilfe für Menschen in Not
Wenn Wasser zum Luxus wird
Die Nachrichten bringen es jetzt täglich und stündlich. Die Hitzewelle nimmt Kurs auf Deutschland und das bedeutet für viele Menschen auf der Straße Stress aber auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel und dann stellt sich die Frage nach Wasser.
In vielen Lokalen, Kneipen und Biergärten ist Wasser inzwischen teurer als Bier. Das ist kein Zahlendreher auf der Karte, sondern ein stilles Signal. Wer auf Alkohol verzichtet, zahlt drauf und wer sowieso jeden Euro umdrehen muss, bleibt besser gleich zu Hause.
Während ein Liter Trinkwasser aus dem Hahn im Schnitt weniger als einen halben Cent kostet, bezahlen wir in der Gastronomie dafür oft ein Vielfaches, manchmal mehr als für ein alkoholisches Getränk. Dass es in Deutschland trotz europäischer Empfehlungen bis heute keine Pflicht gibt, Leitungswasser günstig oder kostenlos in Restaurants anzubieten, zeigt, wie stark hier wirtschaftliche Interessen über einem einfachen Grundbedürfnis stehen.
Dabei sollte die Verfügbarkeit von kostenlosen Wasser selbstverständlich als Menschenrecht gelten. Ohne Wasser stirbt der Mensch und die Natur und doch behandeln wir es im Alltag oft wie eine Ware, an der sich gut verdienen lässt. Wer sich ein einfaches Glas Wasser im Lokal nicht leisten kann, erlebt am eigenen Körper, wie aus einem Grundrecht ein Luxusgut wird. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit.
Für viele Menschen mit kleinem Einkommen ist ein Glas Wasser in der Kneipe kein Durstlöscher mehr, sondern eine soziale Grenze. Wer sich nicht einmal mehr ein Getränk im Lokal leisten kann, gehört schnell nicht mehr dazu. Die gesellschaftliche Teilhabe wird zur Frage des Geldbeutels. Viele spüren längst, dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. 74 Prozent der Menschen in Deutschland wünschen sich kostenloses Leitungswasser in der Gastronomie laut Utopia.
Armut zeigt sich nicht nur in leeren Kühlschränken und zu hohen Mieten, sondern auch in kleinen Gesten. Es geht um den Verzicht auf den Cafébesuch, in der Angst vor der Getränkekarte, im reflexhaften Griff zum Leitungswasser zu Hause, weil selbst Mineralwasser zu teuer geworden ist.
Eine Gesellschaft, in der Wasser zum Luxusartikel wird, hat ein Problem mit ihren Prioritäten, nicht mit ihrem Leitungsnetz.
Obdachlose Menschen sind auf unsere Solidarität angewiesen und viele Einrichtungen versuchen mit der Aktion Hitzehilfe, teils privat finanziert aber auch mit staatlichen Zuschüssen. Doch bei staatlichen Zuschüssen verlangt der Staat das Pfandgeld zurück. Das ist eine bürokratische Hürde, die verschiedene Einrichtungen nicht leisten können.
Gönnen wir doch den Menschen, die schon nichts mehr haben, die 25Cent.
Die Kampagne Armut eine Stimme geben. finanziert die diesjährige Aktion für die Tee- und Wärmestube Neukölln mit der Berliner Sparkasse.
Leitungswasser ist ein öffentlich bereitgestelltes Gut und für alle da. Es wäre ein einfaches und zugleich starkes Zeichen, wenn wir sagen würden, in unseren Restaurants soll niemand aus Geldgründen auf Wasser verzichten müssen.
Das wäre ein kleiner Schritt für die Gastronomie, aber ein großer Schritt hin zu mehr Würde im Alltag derer, die ohnehin jeden Cent zählen müssen.
Thomas de Vachroi
Armutsbeauftragter
Sie können unsere Arbeit gern unterstützen:
Diakoniewerk Simeon gGmbH
Kennwort: Armut eine Stimme geben!
IBAN: DE90 3506 0190 0000 0300 07
BIC: GENODED1DKD
Kreditinstitut: KD-BANK (Bank für Kirche und Diakonie)
Auf Wunsch werden Spendenquittungen und Nachweise erstellt
Diakoniewerk Simeon
Evangelischer Kirchenkreis Neukölln
EKBO – Evangelisch im Osten
Berliner Sparkasse



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