Wer andere ausgrenzt, grenzt sich selbst ab.
Gegendarstellung zum Artikel über die Ausladung der LSU beim CSD in Karlsruhe.
LSU darf wieder nicht beim CSD Karlsruhe teilnehmen
Der Christopher Street Day steht für Sichtbarkeit, Vielfalt und dem entschlossenen Widerstand gegen Ausgrenzung. Umso befremdlicher ist es, wenn ausgerechnet unter diesem Anspruch Gruppen ausgeschlossen werden, die selbst Teil der queeren Community sind.
Die erneute Ablehnung eines Infostands der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) beim CSD Karlsruhe wirft grundlegende Fragen auf. Denn hier wird nicht eine abstrakte Partei bewertet, sondern konkret engagierten Menschen vor Ort die Teilhabe verweigert.
Menschen, die sich innerhalb ihrer politischen Struktur für Akzeptanz, Rechte und Veränderungen einsetzen.
Die Begründung, man habe sich nicht ausreichend von Positionen der Bundespartei distanziert, verkennt die Realität politischer Arbeit.
Veränderung entsteht selten durch Abgrenzung von außen, sondern durch Engagement von innen. Wer diejenigen ausschließt, die innerhalb großer Volksparteien für Fortschritt streiten, schwächt letztlich die Kräfte, die gesellschaftliche Veränderungen überhaupt erst möglich machen.
Zugleich entsteht ein problematisches Signal. Zugehörigkeit zur queeren Community wird an die politische Übereinstimmung geknüpft.
Doch Vielfalt bedeutet gerade auch, unterschiedliche politische Wege und Überzeugungen auszuhalten, solange das gemeinsame Fundament die Würde und Rechte aller Menschen ist.
Ein CSD, der Vielfalt fordert, sollte sie auch praktisch ermöglichen. Dialog statt Ausschluss wäre hier das stärkere Zeichen gewesen, gerade in Zeiten, in denen gesellschaftliche Gräben eher tiefer als flacher werden.
Wer ausgrenzt, grenzt sich am Ende selbst ab, von der eigenen Idee einer offenen und solidarischen Gesellschaft.
©Thomas de Vachroi


