Irrtum: Zu viele Milchprodukte können Krebs auslösen

„Für einen Zusammenhang gibt es keine Hinweise“, sagt Krebsexperte Jens Siveke. In der Vergangenheit waren Milch und Milchprodukte zwar in Verdacht geraten. Wissenschaftler vermuteten, dass sie Krebs begünstigen könnten, weil es sich um tierische Fette handelt. Studien konnten das jedoch nicht nachweisen.
Kalzium schützt vor Krebs
Im Gegenteil – vor allem der hohe Kalziumgehalt von Milchprodukten könnte sogar einen gewissen Schutzeffekt bewirken, etwa gegen Darmkrebs. Das haben Wissenschaftler der Amerikanischen Krebsgesellschaft in einer Langzeitstudie festgestellt.

Zusammenfassend gilt also: Wer sich vollwertig ernährt, also viel Obst und Gemüse, fettarme Milchprodukte, Pflanzenöl, Fisch und wenig Fleisch isst, unterstützt seine Gesundheit und kann damit auch das Risiko für Krebs senken.

Irrtum: Hoher Alkoholkonsum verursacht Krebs

Einen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Krebs und Alkohol gibt es zwar nicht. „Aber manche Krebsarten, wie etwa Rachen-, Kehlkopf-, Bauchspeicheldrüsen-, aber auch Darm- und Brustkrebs werden durch Alkohol begünstigt“, sagt Jens Siveke. Das ist durch zahlreiche Studien belegt.
Alkoholverzicht kann Tumore verhindern
Besonders gefährdet ist, wer täglich vor allem harte Drinks wie Wodka, Whiskey oder Brände konsumiert. Alkoholverzicht könnte übrigens womöglich ein Drittel der Krebsfälle unter Männern verhindern, berichtet der Experte. Für Frauen gibt es in diesem Zusammenhang noch keine Zahlen.

Als Faustregel für unbedenklichenAlkoholkonsumgilt: Männer sollten täglich nicht mehr als einen halben Liter Bier oder ein Viertel Wein trinken, Frauen davon sogar nur die Hälfte. Noch besser ist es, nicht jeden Tag zu trinken und den Körper so jede Woche einige Tage zu entlasten.

Irrtum: Obst- und Gemüsemuffel bekommen Krebs

Rotes Fleisch steht im Verdacht, Krebs zu begünstigen
Täglich Frischkost ist unbestritten gesund. Ernährungswissenschaftler empfehlen sogar fünf Portionen täglich, was allerdings nur schwerlich zu realisieren ist. Viele Menschen verzichten sogar fast vollständig auf Obst und Gemüse. Oft wird ihnen vorgeworfen, damit selbst schuld daran zu sein, wenn sie krank werden, schlimmstenfalls sogar Krebs bekommen. „Es besteht jedoch kein zwingender Zusammenhang“, stellt Jens Siveke klar.

Fleisch und Fett meiden
Wer sicher gehen möchte, sollte sich jedoch ausgewogen ernähren, also viel Obst, Gemüse, fettarme Milchprodukte, Pflanzenöl, Fisch und nur wenig Fleisch essen. „Ein hoher Fett- und Fleischkonsum steht nämlich in Zusammenhang mit Darmkrebs“, warnt der Experte. Eine europäische Langzeitstudie fand z. B. heraus, dass bereits der tägliche Verzehr von 100 Gramm rotem Fleisch (Rind, Kalb, Schwein, Lamm) das Darmkrebsrisiko um das Eineinhalbfache erhöht. Auch Leber-und Bauchspeicheldrüsenkrebs trifft Fleischliebhaber öfter. Eine weitere Studie des Nationalen Krebsinstituts der USA in Rockville hat darüber hinaus herausgefunden, dass hoher Fleischverzehr auch das Blasenkrebsrisiko erhöht – und zwar um 30 Prozent.

Irrtum: Mobilfunk löst Krebs aus

Handys und die dazugehörigen Funkmasten stehen unter verschärftem Verdacht, Krebsauslöser zu sein. Die Studienlage ist zwiespältig, das tatsächliche Risiko noch längst nicht geklärt. Tendenziell sieht es so aus: Mobilfunkmasten scheinen eher harmlos zu sein. In Handys steckt möglicherweise eine gewisse Krebsgefahr.

Keine gesichertern Daten für Mobilfunkmasten

Immer wieder gibt es Meldungen darüber, dass in der Nähe von Mobilfunkmasten öfter Krebs auftritt. „Es gibt dazu aber keine gesicherten Daten“, erklärt Jens Siveke. Kleinere Untersuchungen („Oberfeld-Studie“, „Naila-Studie“), die einen Zusammenhang entdeckten, zeigten bei ihrer Prüfung methodische Schwächen, oder der verdächtigte Sendemast war zur Testzeit gar nicht in Betrieb.

Daneben gibt es einige Hinweise darauf, dass die Mobilfunkmasten tatsächlich harmlos sind. So zeigte kürzlich eine britische Studie, dass sie für Schwangere und Kleinkinder das Krebsrisiko nicht erhöhen.

Das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm (DMF) des Bundesamts für Strahlenschutz hat ebenfalls Studien durchgeführt und konnte dabei keine gesundheitsrelevanten Wirkungen feststellen.

Handygefahr hängt von der Nutzug ab

Immer wieder gibt es Studien zu diesem Thema. Und sie bringen oft widersprüchliche Ergebnisse. „Ein geringer Effekt scheint jedoch nicht auszuschließen zu sein“, sagt Jens Siveke.

Zuletzt hatte eine große Auswertung der WHO mit 31 Fachleuten aus 14 Ländern ergeben, dass ein Krebsrisiko bestehen könnte. Unter Intensiv-Handynutzern gäbe es demnach Hinweise darauf, dass bestimmte Hirntumore (Gliome) öfters auftreten. Es kommt also darauf an, wie häufig man das Mobiltelefon nutzt, der normale Umgang dürfte unbedenklich sein.
Warum die elektromagnetische Strahlung von Handys diese schädliche Wirkung aufweisen kann, ist noch ungeklärt.

Irrtum: Krebs ist ansteckend

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass man sich mit Krebs infizieren kann wie mit einer Erkältung. Wer mit Krebskranken Umgang hat, braucht also auf keinen Fall Angst zu haben. Allerdings gibt es Viren, die Krankheiten auslösen, die im Endstadium in Krebs münden können, also indirekt mit einem Karzinomrisiko in Verbindung stehen „Das sind z. B. HPV, also Humane Papilloma-Viren“, erklärt Jens Siveke. Sie werden während des Geschlechtsverkehrs übertragen und erhöhen das Risiko für Gebärmutterhalskrebs.

Indirekter Zusammenhang

Daneben gibt es auch zwischen Hepatitis-Viren und Krebs einen indirekten Zusammenhang. Führt die Hepatitis nämlich zu einer Leberzirrhose, kann diese wiederum im Verlauf ein Karzinom auslösen. Auch der Keim Helicobacter Pylori, der zu Magenschleimhautenzündung und -geschwüren führen kann, erhöht das Risiko für Krebs in diesem Bereich.

red. Vachroi-VariAble-Gesundheit 2013

Quelle: Focus-Online

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