Weiberfasching – Wenn Frauen das Regiment übernehmen
Weiberfasching – Wenn Frauen das Regiment übernehmen
Mit dem Donnerstag vor Rosenmontag beginnt die närrischste Zeit des Jahres: der Straßenkarneval. Von nun an regieren bis zum Dienstag Ausgelassenheit, Masken und Musik. Doch warum spielt gerade der Donnerstag eine so besondere Rolle?
Historisch liegt die Antwort in der praktischen Lebenswelt vergangener Jahrhunderte. Der Freitag galt als Todestag Christi – ein Tag der Besinnung, nicht des Feierns. Der Samstag war wiederum für die häuslichen Vorbereitungen reserviert. So wurde der Donnerstag zum idealen Auftakt für das bunte Treiben, das erst am Fastnachtsdienstag seinen Höhepunkt findet.
Eine ganz eigene Dynamik bekam der Tag im Jahr 1824, als die Wäschefrauen des Bonner Vororts Beuel Geschichte schrieben. Während ihre Männer in Köln unterwegs waren, um Wäsche zu bringen und zu holen – und dabei im neubelebten Karnevalstrubel nach den napoleonischen Kriegen hängenblieben – beschlossen die Frauen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Sie feierten, gründeten ihr eigenes Komitee und starteten damit eine Tradition, die sich bis heute hält: die Machtübernahme der Frauen am „Weiberfastnacht“.
Wer an Weiberfasching seine Krawatte verliert, gewinnt vielleicht zum ersten Mal Humor.
Symbolisch stürmen die Beueler Wäscherinnen jedes Jahr das Rathaus und übernehmen das Regiment über die Stadt. Der bekannteste Brauch – das Krawatteabschneiden – ist eines der markantesten Zeichen dieses Tages. Die Krawatte gilt als Symbol männlicher Macht und Seriosität, und ihr beherztes Kürzen ist eine augenzwinkernde Geste weiblicher Selbstbestimmung.
„Sind wir froh und erleichtert, dass es beim Abschneiden der Krawatte als Zeichen der Männlichkeit bleibt“, heißt es scherzhaft – und zeigt, dass Humor und Gleichberechtigung sich im Karneval wunderbar verbinden.
Weiberfasching ist längst mehr als ein närrischer Auftakt: Er ist Ausdruck von Lebensfreude, Tradition und weiblicher Stärke – ein Beweis dafür, dass Frohsinn und Freiheit Hand in Hand gehen dürfen.
©Thomas de Vachroi


